Vorstellung: Wolfgang Herrndorf

gestern fiel mein Blick auf mein Bücherregal und wurde im speziellen mal wieder von dem Buch „Arbeit und Struktur“ von Wolfgang Herrndorf angezogen…ein Buch das ich immer wieder einfach in die Hand nehme…aufschlage…und spontan zwei, drei Seiten lese…dann lege ich es weg und es vergeht wieder etwas Zeit, bis ich es wieder mal zur Hand nehm…
Kennt ihr Wolfgang Herrndorf?

Er war der erste dessen Blog ich gefolgte, damals 2012/ 2013…der erste Blog, der mich an sich binden konnte…ich folgte seinen Einträgen, fing parallel an seine Bücher zu lesen…zum Beispiel „Tschick“…ich mag den Schreibstil des Autors…die Art wie er etwas zu sagen hat…

als er sich im August 2013 das Leben nahm, war ich in der Tat sehr davon berührt…obwohl ich ihn als Menschen überhaupt nicht kannte…ich kannte ihn nur so weit wie er es in seinem Blog „Arbeit und Struktur“ zu ließ…
dieser Blog ist in gewisser Weise eine Autobiografie…sehr emotional…
Herrndorf erkrankte 2010 an einem Glioblastom…als er sich im August 2013 das Leben nahm, war die Krankheit sehr weit fortgeschritten…Laut Medienberichten hieß es damals, das es sich um den letzten Zeitraum handelte, in dem er sein Leben selbstbestimmt beenden konnte…

im Dezember 2013 bekam ich dann dieses Buch von meinem Vater geschenkt…bis dahin wußte ich gar nicht das der Blog überhaupt als Buch veröffentlicht wurde…das ging an mir vorbei…mein Vater wollte mir einiges zu dem Buch erzählen…ich selbst winkte ab und meinte „Papa, ich kenn das Buch…ich bin seinem Blog gefolgt“…seit dem steht dieses Buch in meinem Regal…nicht einsortiert…immer griffbereit, mit dem Cover sichtbar…gegen das Vergessen…

Klappentext von Arbeit und Struktur:
„Dann Telefonat mit einem mir unbekannten, älteren Mann in Westdeutschland. Noch am Tag der Histologie war Holm abends auf einer Party mit dem Journalisten T. ins Gespräch gekommen, dessen Vater ebenfalls ein Glioblastom hat und noch immer lebt, zehn Jahre nach der OP. Wenn ich wolle, könne er mir die Nummer besorgen. Es ist vor allem dieses Gespräch mit einem Unbekannten, das mich aufrichtet. Ich erfahre: T. hat als einer der Ersten in Deutschland Temodal bekommen. Und es ist schon dreizehn Jahre her. Seitdem kein Rezidiv. Seine Ärzte rieten nach der OP, sich noch ein schönes Jahr zu machen, vielleicht eine Reise zu unternehmen, irgendwas, was er schon immer habe machen wollen, und mit niemandem zu sprechen. Er fing sofort wieder an zu arbeiten. Informierte alle Leute, dass ihm jetzt die Haare ausgingen, sich sonst aber nichts ändere und alles weiterliefe wie bisher, keine Rücksicht, bitte. Er ist Richter. Und wenn mein Entschluss, was ich machen wollte, nicht schon vorher festgestanden hätte, dann hätte er nach diesem Telefonat festgestanden: Arbeit. Arbeit und Struktur.“

und so begleitet mich Herrndorf über seinen Tod hinaus…und war vielleicht in gewisser Weise für mich wegweisend als ich selbst erkrankte und auf meinem ersten Blog meine Krankheit und Therapie nieder schrieb…in erster Linie um selbst zu verarbeiten…

sein letztes Buch steht noch ungelesen bei mir zu Hause…“Bilder deiner großen Liebe“…ein unvollendeter Roman….er hat es nicht geschafft diesen zu beenden…und kein anderer wollte dieses Werk für ihn beenden…
und somit ist er unvollendet…

Klappentext „Bilder deiner großen Liebe“:
Ein Mädchen steht im Hof einer Anstalt. Das Tor geht auf, das Mädchen huscht hinaus und beginnt seine Reise, durch Wälder, Felder, Dörfer und an der Autobahn entlang: «Die Sterne wandern, und ich wandre auch.» Isa heißt sie, und Isa wird den Menschen begegnen – freundlichen wie rätselhaften, schlechten wie traurigen. Einem Binnenschiffer, der vielleicht ein Bankräuber ist, einem merkwürdigen Schriftsteller, einem toten Förster, einem Fernfahrer auf Abwegen. Und auf einer Müllhalde trifft sie zwei Vierzehnjährige, einer davon, der schüchterne Blonde, gefällt ihr.

An dem Roman über die verlorene, verrückte, hinreißende Isa hat Wolfgang Herrndorf bis zuletzt gearbeitet, er hat ihn selbst noch zur Veröffentlichung bestimmt. Eine romantische Wanderschaft durch Tage und Nächte; unvollendet und doch ein unvergessliches Leseerlebnis. «Ich halte das Tagebuch wie einen Kompass vor mich hin. Pappelsamen schneien um mich herum, und der süße Duft der Lichtnelken strömt durch die Nächte. Ich sehe einen Wald, aus dem vier hohe Masten aufragen über die Baumwipfel. Am Waldrand steht eine kleine Hütte, die Teil eines Wanderwegs ist, wie drei eingekastelte Zeichen verraten. Ein schwarzer Gedankenstrich, eine gelbe Schlange, ein rotes Dreieck. Mein Name.»

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