Weiteratmen

Vor einiger Zeit kam Heike Bicher – Seidel auf mich zu und fragte, ob ich als Bloggerin ihr Buch „Weiteratmen“ lesen möchte…
der Klappentext hat mich sofort in den Bann gezogen…
dieses Buch ist mal wieder eine dieser besonderen Perlen…
die Story hat gut 500 Seiten…

der Blick auf den Klappentext:
„Ich habe das alles nicht gewollt. Nicht das Attentat, nicht die Toten und nicht, was meine Leute Djadi angetan haben. Doch wer wird mir schon glauben.“

Die 23-jährige Leni ist Kellnerin in einer rechten Szenekneipe. Als sie erfährt, dass ihr Boss und ihr Bruder ein Attentat planen, will sie unbedingt verhindern, dass sich ihr Bruder an den illegalen Aktivitäten beteiligt. Ihr Versuch, die Männer von diesem Plan abzubringen, endet in einer Katastrophe.
Gefangen zwischen Hass und Vorurteilen zählt plötzlich nur noch eines:

Weiteratmen!

mein Blick auf das Buch:
der Klappentext hat mich sofort in seinen Bann gezogen…er klingt interessant und spannend…wurde sich hier doch eines besonderen Themas bedient und mit einer Liebesgeschichte gepaart…
das Cover selbst find ich schön gestaltet…eines dieser, auf denen man beim ersten Blick etwas wahrnimmt…das Ganze aber erst auf dem zweiten Blick erkennt…
Schriftart und Auswahl wirken passend und stimmig zum Gesamten…

mein Blick in das Buch:
wow…das ist wieder mal eines dieser Bücher, das etwas in mir verändert…das in mir arbeitet…
Rechtsextremismus – ein Thema das immer aktuell ist…in Zeiten wie diesen, genauso wie vor 20 Jahren…
dieses Thema wurde hier in eine schöne Geschichte, in der auch die Liebe nicht zu kurz kommt, verpackt…
die Themen die dadurch zum Tagen kommen, sind gut recherchiert…und sehr vieles wirkt definitiv reell authentisch…

Liebe…Hass…Verrat…Enttäuschung…Wut…Traurigkeit…Überraschung…
um nur einige der Gefühle zu nennen, die in diesem Buch anklang finden…

das Gerüst der Story ist gut aufgebaut…geht es in erster Linie erstmal um die Entführung von Djadi und den Mord an zwei Flüchtlingen…schlägt es irgendwann um in die Denk- und Sichtweise von Leni…ihre Aufarbeitung…sie muss erkennen und lernen, das ihr Held gar kein Held ist…
Leni, die in die rechte Szene gerutscht ist, ohne das sie da etwas zu suchen hat…ohne, das sie da vielleicht so richtig etwas dafür kann…eigentlich war sie nur zur falschen Zeit am falschen Ort…so möchte man glauben…aber, durch die Reflektion, die Leni an den Tag legt, wird schnell klar, das das Problem viel weiter zurück geht…es ist interessant zu betrachten, was Leni alles tun muss, um sich von diesen rechten Fesseln zu trennen…um diese für sich zu zerschlagen…und wieviel ihr dabei in den Weg geworfen wird…
Leni ist als eine der Protagonisten sehr gut dargestellt…sie wirkt auf den ersten Blick und nach den ersten Dialogen zart…und macht sich eigentlich nur Gedanken um ihren Bruder…aber schnell merkt man, das sie Differenzieren kann…das sie eine gewisse Stärke hat…das sie bereit ist zu kämpfen…und genau das macht sie so sympathisch…auch wenn sie, aus meiner Sicht, erstmal auf der falschen Seite steht…sie ist robust…sie läßt sich nicht verschrecken und steht für die, die sie liebt ein…
sie opfert sich auf…und verliert sich dabei fast selbst aus dem Blick…

die Charaktere sind durchweg sehr interessant und mit gewissen Ecken und Kanten ausgestattet…sie spielen ihre Rolle und füllen diese gut aus…egal ob Freund oder Feind…sie sind in Art und Weise in der Story einzigartig…
das Denken und Handeln einzelner Personen wird sehr detailliert dargestellt…man nimmt es kopfschüttelnd hin oder wird sauer…

Szenen und Situationen werden wortreich beschrieben…das sorgte dafür, das in meinem Kopf ein Film ablaufen konnte…die Geschichte hat mich einfach mitgenommen…hat mich mit Gefühlen überschüttet…hat Bauchschmerzen bereitet…aber auch Schmetterlinge fliegen lassen…

der Schreibstil ist angenehm flüssig…es wird in einer alltagstauglichen Sprache erzählt…die sich in bestimmten Begebenheiten einfach anpasst…
der Spannungsbogen ist gut gehalten…dachte ich nach der Entführung noch das ja nun alles gut werden würde, musste ich nur wenige Seiten später feststellen, das das Große Ganze noch vor ihnen lag…das die Entführung nur ein Tropfen auf den heißen Stein war…das man dem ganzen nicht einfach so entrinnen kann…
ein Buch das Fragen stellt und versucht Antworten zu geben…

an manchen Stellen fühlte ich mich in der Story sehr betroffen…es ist das eine eine fiktive Geschichte zu lesen…etwas anderes ist es aber, wenn man erkennt, das sich bestimmte Dinge auch einfach zugetragen haben können…das sie manchmal nicht weit von der Wirklichkeit entfernt sind…das macht etwas mit mir…das berührt mich tief im Inneren…es weckt in mir ähnliche Gefühle, wie ich sie oben schon nannte…und es macht mich tief traurig…
eine meiner Lieblingsbands hat es mal sehr passend in Worte gefasst…auch wenn es da nicht um den einzelnen Menschen, sondern um die Gesamtheit geht:

„Anscheinend gibt es Menschen, die Menschenrechte verdienen / Und andere eben nicht aufgrund des Zufalls des Gebietes / In dem man geboren ist“.
„2018“ von der Band Kafvka

Fazit:
absolute Leseempfehlung…sehr spannend…gut recherchiert…

 

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